Präsentation und Würdigung des Blog-Projektes im Februar 2015

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„SPURENSUCHE – 100 JAHRE ERSTER WELTKRIEG“ AN DER KAISERIN-AUGUSTA-SCHULE, GYMNASIUM AM GEORGSPLATZ, KÖLN

Ziel des Projekts „Spurensuche – 100 Jahre Erster Weltkrieg“ an der Kaiserin-Augusta-Schule, das im Schuljahr 2013/14 vorbereitet und im Schuljahr 2014/15 durchgeführt wurde, war eine möglichst multiperspektivische und multimediale Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern der Kaiserin-Augusta-Schule mit dem Themenkomplex „Erster Weltkrieg“. Im Zuge des Projekts haben sich ca. 300 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 12 mit unterschiedlichen Aspekten des Ersten Weltkriegs beschäftigt. Zentraler Bestandteil des Projekts war zum einen der von Frau Dr. Anke Heyen betreute Blog http://www.weltkrieg1914.wordpress.com, an dem Schülerinnen und Schüler eines Kurses „Praktische Philosophie“ der Jahrgangsstufe 9 über einen längeren Zeitraum intensiv gearbeitet haben. Die Spurensuche der Schülerinnen und Schüler in den eigenen Familiengeschichten, in denen sich vielfältige kulturelle Hintergründe spiegelten, aber auch in den Biographien der Vorfahren Kölner Bürgerinnen und Bürger hat nicht nur interessante Ergebnisse auf der Ebene der ,Mikro-Historie‘ zu Tage gefördert, sondern auch für den geschichtsdidaktischen Einsatz digitaler Medien neue praxisbezogene Perspektiven eröffnet.

Einige Ergebnisse der erfolgreichen Projektwoche wurden schließlich am 1. Dezember 2014 in einer Matinée im Kölnischen Stadtmuseum präsentiert.

http://rheinland1914.lvr.de/media/1914/beispielbilder/eurovision/Augusta.tif

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Eurovision 1914

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Hurra, wir werden am 19. und 20. Februar 2015 mit unserem Blog auf eine internationale Tagung zum europäischen Erinnern mit Schülerkonvent eingeladen. „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ ist ein Projekt des LVR-Dezernates Kultur und landschaftliche Kulturpflege mit verschiedenen Partnern.

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Wir nehmen als Zuschauer an wissenschaftlichen Konferenzen teil und am „Europäischen Come Together“ mit Schülerinnen und Schülern, die andere Projekt rund um den Ersten Weltkrieg gestaltet haben.

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Am 20. Februar 2015 sitzen wir dann mit fünf Vertretern von unserem Blog auf der Bühne. Jürgen Wiedicke und Dr. Hans Wupper-Tewes haben uns schon im Vorfeld ausführlich auf die zweieinhalbstündige Podiumsdiskussion vorbereitet. 

http://rheinland1914.lvr.de/de/veranstaltungen/eurovision_rueckschau.html

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Wir reisen mit zehn Schülern an… die Jungen hier schon weitergezogen zu einem Workshop oder zum Mittagessen. Jede Schülergruppe sollte ihr Projekt in einem alten Koffer präsentieren.

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Die Haikus von Reims (Übersetzungswettbewerb 2017)

von Didier Daenickx 

übersetzt von Mathilde Görgens

Die Arbeit an unserem Blog ist lange abgeschlossen. 2017 machen die Schüler/innen Abitur und verlassen die KAS. Mathilde Görgens nimmt im Mai an einem Wettbewerb teil, leider gewinnen wir keine Reise nach Rheims, dafür aber einen guten Text für unseren Blog. Deutsche Schulen konnten sich daran beteiligen, einen neu geschriebenen Text aus dem Französischen ins Deutsche zu übersetzen. Viel Vergnügen beim Lesen…

Den ganzen Tag über hatte die Kathedrale gebrannt. Währenddessen befand ich mich außerhalb der Stadt, versteckt in einem Schützengraben, den wir vor drei Tagen dem Feind genommen hatten, gegenüber dem Fort von Brimont , von wo die feuerbringenden Granaten schossen. Mithilfe des kleinen Periskops, das mir meine Schwester in Einzelteilen geschickt  und das  ich mit Geduld zusammengesetzt hatte, konnte ich die deutschen Artilleristen erkennen, wie sie die kupfernen Patronenhülsen aus den rauchenden Verschlüssen jagten.

Zwischen zwei Explosionen konnte man die gebrüllten Befehle der Offiziere hören, damit die Truppe den Rhythmus behielt. Die fliegenden Bomben rasten einige Meter über unseren Köpfen hinweg und ihr heißer Atem hob die Zipfel unserer Jacken.  Vielleicht 30 Leute waren wir, hier festgehalten, deren Mission darin bestand, jede Bewegung zu beobachten, und die eigene Artillerie durch entgegengesetzte Bewegungen zu organisieren. Der nächste Telefonposten befand sich fünf Meter weiter hinten und zwei Männer hatten schon mit ihrem Leben meinen Befehl bezahlt, die Ergebnisse unserer Beobachtungen weiterzuleiten.  Die Brände, die im Inneren der Stadt wüteten, warfen rotes Licht über Kilometer und jeder Fluchtversuch wäre einem Selbstmord gleichgekommen. Wie groß war allerdings meine Verwunderung gewesen, als ich drei Männer des 33. Infanterieregiments, zu dem unser Bataillon gehörte, kommen sah. Der Leutnant Girard, den ich von der Teilnahme an der Wiedereinnahme der Stadt in der letzten Woche kannte, floh meinem Blick, als er sich mir näherte.

„Kommen Sie als Verstärkung?“

„Nein, Sergeant, wir haben den Befehl erhalten, sie zurückzuführen.“

Eine fehlerhafte Granate, die den Hügel umgeackert hatte, zwang uns, uns auf den schlammigen Boden zu werfen. Ich war als erster wieder aufgestanden.

„Mich zurückbringen? Weshalb?“

„Stellen Sie keine Fragen, Sergeant, und übergeben Sie mir ihr Gewehr. Sie stehen hiermit unter strengem Arrest.“

Leutnant Girard hatte gewartet, bis die Hölle nur noch ein Fegefeuer war, um den Rückweg anzutreten. Um drei Uhr morgens hatte ich mich erschöpft und von zwei Untergeordneten umstellt vor Kommandant Flaubert wiedergefunden, der mit einem Bündel Papiere wedelte.

„Sie sind es doch, Sergeant Lapie, der für die Veröffentlichung dieser Gazette des 33. Regiments verantwortlich sind?“

„Ja, mein Kommandant! Die werden in allen Regimentern veröffentlicht und ich habe sogar Ihre Erlaubnis erhalten…“

Er hatte sich auf einen Stuhl fallen lassen und hatte die letzte Ausgabe geöffnet, um einige Auszüge daraus vorzulesen.

„Ja, für patriotische Texte und nicht für solches Geschreibsel, das weder Hand noch Fuß hat wie dieses hier:

Lieferungen von Fleisch 

Schön frisch, vollkommen vorbereitet

Sind angekündigt für diese Nacht. 

Oder noch schlimmer:

Der Totgeweihte schrie: Mama! 

Von hinten hat der Journalist

Gehört: Es lebe Frankreich! 

Wir befinden uns in einer Maschinerie der Demoralisierung. Es ist General Combes, der doch mit einem unserer größten, kürzlich verstorbenen Dichter, Paul Deroulède, befreundet war, der mich darauf aufmerksam gemacht hat.“

Er hatte angefangen, mit zitternder Stimme zu deklamieren:    

Die Luft ist rein,

Die Straße ist breit,

 Die Trompete bläst zum Angriff, 

Die Zouaven marschieren singend,

Und oben auf dem Hügel 

Den der Wald bedeckt,

Wartet der Preuße auf sie. 

Ich hatte mich aufrecht hingestellt.

„Dies sind vom Japanischen inspirierte Gedichte, mein Kommandant, Haikus. Mehrere meiner Männer schreiben welche… Sie denken an nichts Böses dabei…“

„Es steht Ihnen nicht zu, das zu beurteilen. Und ich verstehe nicht, was die Japaner in unserer Sache verloren haben. Leutnant, führen Sie den Sergeant in den Arrestbereich, bis ich entschieden habe, wie wir mit der Sache weiter verfahren.“

Man hatte mich in eine geräumige Halle einige hundert Meter entfernt vom brennenden Heiligtum   gebracht, welche inmitten eines zerstörten Viertels lag, und dann in einen Raum, dem auch die kleinste Öffnung fehlte, eingesperrt. Gegen sieben Uhr morgens hatte mir ein Wachposten einen Kanister mit Kaffee und einen Kanten Brot  gereicht, bevor er mich auf den Vorplatz der Kathedrale führte, wo etwa hundert deutsche Kriegsgefangene, die meisten von ihnen verletzt, retten mussten, was zu retten war. Sie stapelten Trümmer von Mobiliar, Tapeten und Statuen auf ihren Karren, um sie in Sicherheit zu bringen.  Auf der Spitze der Anhäufungen hatte ich das enthauptete Lächeln des Engels von Reims erblickt.

Andere besiegte Soldaten, deren Überwachung man mir aufgetragen hatte, beugten ihre Körper zur Erde, um tausende und abertausende bunte Splitter aufzulesen, in die die opulenten Fenster des Gotteshauses zerbrochen waren. Mehrere Tage lang hatten ich und meine Glassuchtruppe uns dem Sortieren unserer Funde gewidmet: blaue, gelbe und rote Splitter, je unterschieden in neun Nuancen.  Eines Abends, als wir unser Tagewerk gerade beendigten, setzte die letzte Feuergranate der Septemberoffensive das ganze Gerümpel aus Holz  in Brand, auch die Betstühle der Kathedrale, in der Nähe unseres farbigen Puzzles gelagert. Die tanzenden Flammen hatten, als sie durch die Fenstersplitter fuhren, eine Art kubistischen Regenbogen auf die Ruinen der Kathedrale projiziert und die Farben unseres Spektrums erweiterten sich um grün, orange, violett und rosa. Und in diesem Augenblick hatte sich alles um uns beruhigt.

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Hallo, herzlichen Willkommen auf unserem Blog!

Wir sind Kölner Schüler, genauer gesagt der Philosophiekurs von Frau Heyen auf der Kaiserin-Augusta-Schule (KAS), und würden euch gerne unsere Arbeit vorstellen…

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 Wir setzen uns mit dem 1. WK auseinander…

Wir arbeiten an einem Projekt zum 1. Weltkrieg. Wichtig war uns dabei, nicht wie im Geschichtsunterricht vorzugehen, sondern uns den philosophischen Fragen wie „Wo kommen wir her?“, „Wie gehört alles zusammen?“ und „Wie wollen wir uns heute mit dem Phänomen 1. Weltkrieg beschäftigen?“ zu stellen.


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Neben den Texten und Fotos haben wir auch Podcasts produziert. Hier könnt ihr Lisa und Noura hören.

(Produziert von der Medienwerkstatt im Katholischen Bildungswerk Köln)

Unsere Arbeiten beschäftigen sich mit den Themen Familie, Schule und Frauen im 1.Weltkrieg sowie mit den Themen Waffen, Medizin, Deutsch-Französische Freundschaft und vielem mehr…

Wie erleben Türken, Japan oder die Oma im Sauerland den 1. WK?

 Wir forschen in verschiedene Richtungen und in verschiedenen Ländern, ausgehend von unseren eigen Wurzeln, sodass ein Netz aus Informationen entsteht, das die ganze Welt umfasst.

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Podcasts!

Hier kommt ein Podcast, wo ich euch allgemeine Infos zum 1. WK zusammengestellt habe. Zuerst hört ihr die Stimme von Yeliz (auf dem Foto ist sie die Zweite von rechts) und dann erzähle ich euch, was ich vom 1. WK weiß…

(Produziert von der Medienwerkstatt im Katholischen Bildungswerk Köln)

Köln 1914 und Wolfgang Hertel

Im Rahmen dieses Projektes forschen wir zum Thema „Köln 1914“ und dazu liefern wir mit unseren Arbeiten und familiären Nachforschungen einen Beitrag. Denise hat sich besonders mit dem Sohn des damaligen Dombaumeisters (Wolfgang Hertel) beschäftigt. Und Anatole, Jonas, Felix und Luis sitzen seit Monaten daran, ein Schlachtfeld nachzubauen, dass zeigt, wo er in Frankreich gefallen ist.

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 Jonas, Luis, Anatole und Felix im Kölner Dom vor dem Krieger Denkmal

Was ist ein „Leih-Großvater“?

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Elisa und Malika forschen in Frankreich.

Zusätzlich zu den Recherchen in unseren eigenen Familien suchen wir uns Menschen aus, die zu Zeiten des ersten Weltkrieges gelebt haben und verschiedene Rollen einnahmen. Jeder Schüler sucht nach einem eigenen Urgroßvater oder einem sogenannten „Leihgroßvater“, wie zwei Schülerinnen, die zu einem französischen Piloten (George Guynemer) und einem kleinem Mädchen (Eliane Stern) in Frankreich forschen.

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Durch diese verschiedenen Quellen entsteht ein allumfassender Eindruck des 1.Weltkrieges, der sowohl positive wie auch negative Punkte aufdeckt und vor allem Gefühle und Gedanken aus dieser Zeit wieder auferstehen lässt. Der Blog hat sich sehr gut entwickelt hat und dokumentiert unsere Projekte im einzelnen, sodass man jeden Themenbereich verfolgen und nachvollziehen kann.

Eines unserer Ziele ist es nun, dass wir sehr gerne mehr zu unserer Schulgeschichte heraus finden möchten. Dazu haben wir auch schon in den Schulakten aus dieser Zeit nachgeforscht (damals war die KAS noch eine reine Mädchenschule), jedoch waren wir wenig erfolgreich bei der Suche nach Nachfahren dieser Schülerinnen. Deshalb bitten wir euch und Sie darum, sich bei uns zu melden, wenn du oder Sie Verwandte oder Bekannte kennen, die uns bei diesem Projekt helfen und uns weitere Informationen und eventuell sogar Material (Fotos, Briefe,andere Zeugnisse…) zur Verfügung stellen möchten.

Abiturientinnen aus dem Jahr 1914

Hier finden sie eine Liste mit Namen, ehemaliger Schülerinnen der KAS: Sara van Cleef, Maria Eichelbaum, Maria Frank, Mathilde Gudden, Sophie Hansen, Beatrix Heukeshoven, Magda Knoll, Katharina Neukirchen, Alice Ochs, Maria Patt, Agnes Pirig, Elisabeth Sauerborn, Leonie Saurbier, Maria Schoren, Amalie Servatius, Johanna Söhling.

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Wir freuen uns sehr, wenn ihr und Sie mit uns zusammenarbeiten würden. Sie sind herzlich in unseren „Redaktionsraum“ und in unseren Computerraum eingeladen. Und wir freuen uns auch immer über einen Kommentar!

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DANKESCHÖN!

Jetzt schon vielen DANK an alle, die uns tatkräftig unterstützen wie Stefan Jakob, Matthias Kordes (Stadtarchivar von Recklinghausen), Wolfgang Hertel, Elvis Katticaren und Katrin Scheel (Medienwerkstatt im Katholischen Bildungswerk Köln), Dilek Yilmaz, Professor Heinrich Dreidoppel, den Förderverein unserer Schule… und viele mehr!

Eure Paula

(Ich bin Schülerin und für die Pressearbeit unseres Projektes zuständig. Ihr könnt euch jederzeit hier mit einem Kommentar melden, wir antworten schnellstmöglich. Wen Ihr Fragen zum Projekt haben, könnt ihr euch auch bei unserer Philosophielehrerin Frau Heyen, anke.heyen@yahoo.de melden).

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Was wissen Kölner heute über den Ersten Weltkrieg?

P1050178Fynn, Methan und Yakup fragen bei Kölner nach…

P1020622Okan und Engin beim Schnitt der Radiosendung.

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Die Ur-Katastrophe und ihre Folgen…

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Luis (links) und seine Gruppe wollte von Kölnern wissen, was der Erste Weltkrieg veränderte…

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Attentat in Sarajevo 1914 und die 1990er Jahre in Bosnien

„Es gibt eine erstaunlichen Berührungspunkte zwischen dem Attentat in Sarajevo zu Beginn des Ersten Weltkrieges und der Belagerung der wehrlosen bosnischen Hauptstadt zu Beginn des 1990er Jahre…“ (Zitat von Matthias Kordes, unten ausführlicher Kommentar).

Wir haben euch einen Podcast zu den Auslösern des 1. Weltkrieg produziert und anschließend könnt ihr ein Interview mit Haris lesen. Seine Familie kommt aus Bosnien und ihr bekommt eine Ahnung, wie 1914 und die heutige Situation seiner Familie zusammenhängen…

Podcast zu den Auslösern des Ersten Weltkrieges

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Dana und Yeliz sitzen in der Mitte und waren bei der Befragung dabei.

Zuerst haben wir Passanten am Kölner Dom gefragt, was sie so wissen. Hier könnt ihr zuerst Yeliz als Moderatorin hören und viele verschiedene, teilweise lustige O-Töne, was Kölner so denken. Franca wird diese Aussagen dann durch handfeste Fakten ergänzen…

 

(Produziert von der Medienwerkstatt im Katholischen Bildungswerk Köln.)

Eine Familiengeschichte aus Sarajevo (Bosnien)

Haris hat gerade bei uns an der KAS Abitur gemacht und erzählt Flo, wie seine bosnische Familie den 1. Weltkrieg, aber auch die Geschichte seines Landes bis heute erlebt. Wenn ihr euch einmal fragt, werdet ihr merken, wie viele Bosnier in Deutschland leben. An der KAS gibt es in einigen Klassen sogar mehrere Schüler und Schülerinnen aus Bosnien.

FLO: „Was hast du, der 1995 in Köln geboren wurde, mit dem Ersten Weltkrieg zu tun?“

HARIS:  „Meine Eltern stammen aus der Stadt, in der der Auslöser für den Ersten Weltkrieg war. Da geschah der Anschlag auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand, er wurde dort von dem serbischen Nationalisten Gavrilo Princip ermordet.“

Am 28. Juni 1914 kam damit der Auslöser vieler Drohungen zwischen den Staaten Europas … und das führte dann alles zum Kriegsbeginn.“

Wir sitzen mit dem schwarzen Notebook auf dem Flur der KAS und gehen erst einmal auf die Wiki-Seite „Belagerung von Sarajewo“. HARIS zoomt sogar die Stelle heran, wo das Haus seiner Großeltern steht. Es ist beeindruckend, wie viele Berge rund um Sarajevo sind. Aber fangen wir im Jahre 1914 an.

HARIS: „Meine Urgroßeltern lebten 1914 schon… aber ich weiß kaum etwas über sie und diese Zeit meiner Familie, denn inzwischen sind alle Urgroßeltern schon verstorben; einige im Krieg, die meisten aber in friedlichen Zeiten. Auch Fotos von ihnen gibt es. Fotos von meinen Urgroßeltern gab es wahrscheinlich in dem Haus meiner Großeltern väterlicherseits oder der Wohnung meiner Großeltern mütterlicherseits, aber beide wurden früh im Bosnienkrieg ausgeplündert und verbrannt.“

Wahrscheinlich wissen viele viel zu wenig über den Bosnienkrieg… 

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HARIS: „Bosnien erlebte den brutalsten Krieg, den es nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa gab. Die serbischen Nationalisten hatten während des Krieges das halbe Land unter Kontrolle und versuchten, ihr Machtgebiet auszubauen. Sie wollten das Land für Serbien erobern.

Die Bosniaken setzten sich für ein einheitliches unabhängiges Bosnien-Herzegowina ein, während die kroatischen Nationalisten zeitweise versuchten, das im Süden gelegene Herzegowina für Kroatien zu gewinnen.

Das Problem von Bosnien ist, das es dort offiziell drei ethnische Gruppen gibt:

  1. die sogenannten Bosniaken,
  2. die bosnischen Kroaten, und
  3. die bosnischen Serben.“

FLO: „Das ist ziemlich verwirrend, kannst du diese drei Gruppen ein wenig genauer beschreiben?“

HARIS 006 HARIS 004 HARIS: „Die Bosniaken, das sind Muslime. Nach der Definition der Rassisten gehört meine Familie zu dieser Gruppe.

Ich halte aber nichts von dieser Dreiteilung. Mein Opa hat wie ihr hier auf dem Blog Familienforschung betrieben. Er ist bis zu 250 Jahren zurückgegangen. Damals war meine Familie katholisch und wechselte dann zum Islam über.

Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass Bosnien damals zum islamisch geprägten Osmanischen Reich gehörte.

Zweitens sehe ich, dass die Teilung Bosnien-Herzegowinas in drei Ethnien eine moderne Entwicklung ist, die zu Rassismus und damit zum Bosnienkrieg geführt hat. Die bosnischen Kroaten sind katholisch, wobei der Begriff Kroaten falsch ist, da nur Bezug genommen wird auf die gemeinsame katholische Religion mit der Mehrheit im selbstständigen Kroatien. Dasselbe gibt für die bosnischen Serben, die serbisch-orthodox sind und dadurch dem unabhängigen Staat Serbien nahestehen.

Und in diesem Krieg war meine Familie drinnen, mitten in Sarajevo, der von serbischen Nationalisten belagerten Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas. Die Familie von meinem Vater hatte ein Haus an der Belagerungsgrenze Sarajevos, welches wegen der Lage schon kurz nach Kriegsbeginn 1992 verbrannt worden ist.

Die Familie von meiner Mutter hatte eine Wohnung nahe der Belagerungsgrenze in Grbavica, welche etwas später abgebrannt ist. Meine Eltern verließen die Stadt über den einzigen Ausgang, den „Tunnel der Rettung“, im Dezember 1994, um in Prag drei Monate zu arbeiten, da mein Vater als Tontechniker an einem Filmprojekt beteiligt war, wo es um das Leben junger Menschen im belagerten Sarajewo ging. Danach entschieden sie sich, im Frühjahr 1995 nach Köln zu kommen, wo ich Oktober 1995 geboren wurde.“

FLO: „Was kannst du mir über das „Haus“ erzählen. Und wie alt sind deine Urgroßväter geworden und was haben sie gearbeitet?“

HARIS: „Das weiß ich nicht so genau. Von meinen Urgroßeltern habe ich nur als Kleinkind zwei kennengelernt und sie sind dann schnell aus Altersgründen gestorben. Nahezu alle Zeugnisse, Hinterlassenschaften meiner Familie sind durch den Krieg zerstört worden.“

FLO: „Bist du häufig in Bosnien?“

HARIS: „Ich bin da ständig. In der Regel zwei Mal im Jahr. Im Sommer und dann zu Neujahr oder zu Ostern. Je nachdem, wie es passt. Manchmal reisen wir mit dem Flugzeug, im Sommer aber immer mit dem Auto.“

FLO: „Wie kommt man denn dahin?“

HARIS: „Aktuell gibt es vom Flughafen Köln-Bonn eine Direktverbindung nach Sarajevo. Oder wir fahren mit dem Auto, das dauert mit ordentlich Glück 18 Stunden, daher planen wir immer eine Übernachtung unterwegs ein.“

FLO: „Was machst du dann dort?“

HARIS: „Ich besuche meine Großeltern. Meine Großeltern väterlicherseits haben das Haus wieder aufgebaut. Meine Großeltern mütterlicherseits haben eine Wohnung nahe der alten erhalten und haben es auch wieder aufgebaut.

Der Krieg ist überall präsent, in der gesamten Gesellschaft. Viele sind noch voller Hass. Ich würde nicht ausschließen, dass der Krieg wieder ausbricht. Es gibt auch noch viele Spuren des Kriegs, zerstörte Häuser, die nicht wiederaufgebaut worden sind, ca. jede zweite Fassade in der Stadt ist beschädigt oder zeugt von notdürftiger Sanierung. Es wird von Tag zu Tag besser, aber man merkt, der Krieg ist nicht lange her.“

FLO: „Warum könnte der Krieg wiederausbrechen? Könnte man das verhindern?“

HARIS: „Mich nervt die Dreiteilung und dieses Gehabe „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Vor 120 Jahren gab es nur Bosnier.“

Angefangen hat es mit dem Rassismus, nachdem der Kommunismus langsam verschwand. Dann kam der Nationalismus, der schon Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts existierte, wieder zurück. Kein Krieg wird dadurch bewältigt, dass er totgeschwiegen wird. Stattdessen muss man dem Krieg ins Gesicht schauen und gucken, was man daraus erkennen kann. Ein Krieg hat immer Ursachen und Folgen. Wir müssen auch lernen, ohne Krieg auszukommen. Und wir müssen erkennen, wo unsere Fehler lagen, um neue Kriege zu verhindern. Mehr oder weniger Militär ist nicht die Frage, sondern, wie man mit dem gesamten Staat umgeht. Schließlich kann das Militär keinen Krieg beenden, sondern nur Politik und Gesellschaft. Und nur wenn die Gesellschaft den Krieg bewältigt, kann daraus Frieden entstehen.

Ich kenne selber eine Frau, die hat nahezu alle Familienangehörige verloren. Ein Sohn ist in den Krieg gezogen, der Ehemann wurde umgebracht, ein zweiter Sohn brachte sich selbst um. Inzwischen leben von ihren direkten Familienangehörigen nur noch eine Tochter.

Trotzdem ist sie voller Liebe und positiver Ausstrahlung. Ich habe höchsten Respekt vor ihr, dass sie trotz all den Schicksalsschlägen so positiv denkt. Vielleicht hat sie sich einfach damit abgefunden, man kann ja nicht alles im Leben bestimmen, oder, wie wir es in Köln sagen: ´Et es wie et es´.“

Schaut euch auf jeden Fall die Wiki-Seite „Belagerung von Sarajevo“ unter http://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Sarajevo an! Außerdem stellt Fragen.

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